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Glory

Eine lustige deutsche Mädelgeschichte

Stuttgart: Loewes Verlag Ferdinand Carl 1921 (Nr. 901, 13-16)

Erstes Kapitel: Der Störenfried
Zweites Kapitel: Die tolle Sieben
Drittes Kapitel: Ihre närrischen Hoheiten Prinz und Prinzessin Karneval
Viertes Kapitel: Maienmond
Fünftes Kapitel: Pflichten
Sechstes Kapitel: Die Reise
Siebentes Kapitel: Gloria

Worum geht's?

Die junge Amerikanerin Glory van Mulen besucht ihr Großtante in Deutschland. Glorys Großvater ist als junger Mann nach Amerika ausgewandert und hat kurz vor seinem Tode bestimmt, dass seine Enkelin Glory seine Heimat Deutschland und auch seine Schwester Fräulein Rose von Mühlen kennen lernen soll. Sein Sohn Georg hat den Nachnamen "von Mühlen" in "van Mulen" geändert und ist auch sonst ein "richtiger Amerikaner", weshalb Glory nun doch Deutschland und "die deutsche Art" während eines längeren Aufenthaltes erleben soll. Wie ein Wirbelwind bringt Glory den ansonsten ruhigen und bedächtigen Haushalt ihrer Großtante durcheinander, nicht zuletzt liegt das auch an ihrer Dogge Imperator, die sie aus Amerika mitgebracht hat. Jedem gegenüber betont sie, dass sie Amerikanerin sei, und verhält sich ansonsten auch nicht wie die deutschen Mädchen. Sie ist selbstbewusster und selbständiger, frecher und ausgelassener. "I want to have fun!" ist ihr ständiger Ausspruch. Sie lebt sich schnell ein, wird in das Kränzchen der Zwillingstöchter einer befreundeten Familie und deren ehemaligen Klassenkameradinnen aufgenommen. Sie erlebt eine Schlittenfahrt, die Fastnachtszeit.

Zitate:

"Was kümmert den, der reisen will, welche Miene das Wetter dazu macht? Ob die Sonne brennt, ob's schneit, ob Frühling, Sommer, Herbst oder Winter im Kalender stehen. Und es gab gar viele Reisefrohe damals unter deutschem Himmel. Die halbe Welt schien stets unterwegs, sich mit der andern halben Welt an fremden Ort zu vergnügen. Lustig war das ja, nur - - aber was geht uns das an? Wir sind nicht berufen, zu urteilen oder gar zu  v e r urteilen." (S. 5)

"Da es nun dem Deutschen im Blut liegt, besonders ehrfurchtsvoll und höflich gegen solche zu sein, die nicht seines Volkes sind, so neigte er sich nur schweigend vor der jungen Anmaßung und setzte sich ergeben in eine Ecke den Durchgang zu, seiner Widersacherin gegenüber." (S. 6)

"Geistreich sieht das unbelebte Schlafgesicht wohl nie aus, wenn man aber gar den Mund dabei offen hat - - " (S. 7)

"Die Jungen sind immer mehr fürs Selbstgewährenlassen, wo das Alter helfend beispringen möchte." (S. 10)

"Komisch, wie rauh die Stimme geklungen hatte und wie gutmütig die Augen blickten. So waren die Deutschen. Treuen Hunden gleich, die bellten, aber nicht bissen. Großpa war auch so gewesen. Pa war anders. Der meinte, was er sagte und - schlug zu, wo er drohte. Er war eben Amerikaner, kein so weichherziger Deutscher!" (S. 50)

"Hurrah for old, old Germany!" (S. 69)

"Sie sangen natürlich zuerst: "Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, daß ich so traurig bin," womit jeder echte Deutsche meist höchste Lust kundgibt. Denn wo wäre es einem Sohn der deutschen Lande wohler als bei fröhlichen Liedern in froher Gesellschaft gesungen? Und gar auf dem Rhein! Und nun gar bei Mondenschein!" (S. 133)

"Wer von der Erinnerung zehren will, muß erlebt haben." (S. 78)

"Sie sangen natürlich zuerst: "Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, daß ich so traurig bin," womit jeder echte Deutsche meist höchste Lust kundgibt. Denn wo wäre es einem Sohn der deutschen Lande wohler als bei fröhlichen Liedern in froher Gesellschaft gesungen? Und gar auf dem Rhein! Und nun gar bei Mondenschein!" (S. 133)

"Ein "Ah!" begrüßte das Zauberlicht, strahlende glückselige Augen schauten hinein - der Mond, der alte Heuchler, diese ausgebrannte Schlacke, die Wärme vortäuscht, wo keine ist, der Mond konnte auch diesmal mit seiner Wirkung zufrieden sein. Und war es sicherlich. Nicht umsonst wird er so häufig von einem Ohr zum andern grinsend abgebildet. Wer ihn so zeigt, hat seine wahre Natur erkannt." (S. 133)

"" (S. 133)

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Mit sechs zweifarbigen
Bildern von Willy Planck.

Eine hohe Männergestalt stand vor der Tür des Abteils, das die junge Dame bisher allein innegehabt hatte. Kein gnädiger Blick traf den Eindringling und ein Paar besonders zierlicher Füßchen in besonders feinem Schuhwerk hoben sich blitzschnell auf den gegenüberliegenden Sitz, so daß beide Fensterplätze belegt waren.
Der junge Mann mit seinem blonden Haar war groß und breitschultrig, er hatte gesehen und begriffen. Ein Necklachen ging ihm übers Gesicht. Er lüftete den Hut und neigte sich höflich: "Dürfte ich vielleicht bitten, mir den einen Eckplatz zu überlassen? Ich lege Wert darauf, hinaussehen zu können."
Eine unsagbar hoheitsvolle Miene sah ihn an: "Ich sitze gern bequem." Weiter nichts.

"Guten Tag! Da bin ich. Auntie sagt, ihr wolltet meine Freunde sein."
Nun saßen sie rittlings dicht aneinander gedrückt, immer eine hinter der andern, die Buben vorn, die Mägdlein danach. Es hätte keine Stecknadel zwischen ihnen niederfallen können.

Weiter nichts.
Weiter nichts.

Jetzt war die Gesellschaft in den Nachen verteilt.
Sie sangen natürlich zuerst: "Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, daß ich so traurig bin," womit jeder echte Deutsche meist höchste Lust kundgibt. Denn wo wäre es einem Sohn der deutschen Lande wohler als bei fröhlichen Liedern in froher Gesellschaft gesungen? Und gar auf dem Rhein! Und nun gar bei Mondenschein!


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Die Jugendschriftstellerin Henny Koch
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